EGM - Entomologische Gesellschaft Magdeburg seit 1920
EGM - Entomologische Gesellschaft Magdeburgseit 1920

Mai 2016

Bericht zum Treffen der  

Entomologischen Gesellschaft Magdeburg (EGM)

am Museum für Naturkunde Magdeburg


 

Datum :           17.05.2016

Ort :                 Tammi´s Bauernstübchen, Zerrennerstraße 33, 39110 Magdeburg, Tel.: 731 0116

Thema :           Zur Biologie des Gefurchten Dickmaulrüsslers

                        (Otiorhynchus sulcatus, Fabricius, 1775)

Referent :       Holger Breitbarth

Teilnehmer :  Breitbarth, Holger

  Doberitz, Dr. Gerhard

  Elias, Otto

                         Pellmann, Dr. Hans

                         Schulz, Friedrich

                       

  1. Protokollkontrolle

  

Der Berichtsentwurf zur Zusammenkunft vom April 2016 wurde nach Ergänzungen durch Dr. Hans Pellmann den Teilnehmern zugestellt und, da keine weiteren Anmerkungen entstanden, als Endfassung verabschiedet.

 

 

  1. Holger Breitbarth: Zur Biologie des „Gefurchten Dickmaulrüsslers“ (Otiorhynchus sulcatus  Fabricius,1775)

 

Merkmale und Verbreitung

 

Der Gefurchte Dickmaulrüssler ist ein Käfer der Familie der Rüsselkäfer

(Curculionidae), die mit ca. 900 Arten in Deutschland so zahlreich vertreten ist,

wie keine andere Käferfamilie. Bei diesen Käfern ist eine auffällige Verlängerung

des Kopfes zu einem sogenannten „Rüssel“ das besondere Kennzeichen.

Beim Gefurchten Dickmaulrüssler ist dieser zudem breit und tief gefurcht.

Die Gattung Otiorhynchus stammt aus Europa. 

Der Gefurchte Dickmaulrüssler ist in Regionen mit gemäßigtem Klima endemisch.

Durch den Import von Pflanzenmaterial wurde er in verschiedene andere Welt-

regionen verschleppt und breitete sich auf verschiedene Pflanzenarten aus.

In den USA, Kanada, Japan, Neuseeland, Südost-Australien und Tasmanien ist er

heute ein bedeutender Schädling.

Die Käfer sind ca. 10mm lang. Die Oberseite der Käfer ist schwarz mit braunen

Flecken. Die Deckflügel (Elytren) sind stark panzerartig verhärtet und zusammen-

gewachsen. Die Tiere sind dadurch flugunfähig, können jedoch zu Fuß große

Strecken zurücklegen. Die beinlosen, weiß bis gelblich gefärbten Larven sind

in etwa so groß wie das Imago.

Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere treten von Februar bis Oktober in

Erscheinung. Tagsüber verstecken sich die Tiere unter Mulch, Laub, Holzbrettern,

Töpfen, Kisten und in Häusern. Bei Gefahr stellen sich die Tiere tot.

 

 

Fortpflanzung und Entwicklung

 

Die Fortpflanzung erfolgt parthenogenetisch, also ohne Befruchtung der Eier

durch männliche Käfer. Das Käferweibchen legt während seiner 1 bis 3 jährigen

Lebenszeit jährlich 500 bis 1000 Eier ab, bevorzugt in torfhaltige Substrate.

Unter natürlichen Bedingungen entwickelt sich eine Generation pro Jahr, wobei

die Larven bevorzugt im Frühjahr (überwinterte Altlarven aus dem Vorjahr) und

im Herbst (Junglarven aus der Eiablage im Sommer) in Erscheinung treten.

Unter Gewächshausbedingungen entwickeln sich zwei Generationen pro Jahr.

 

Die erwachsenen Tiere ernähren sich ausgesprochen polyphag, von Knospen,

Nadeln, Blättern und jungen Pflanzentrieben. Die Larven jedoch fressen an den

Wurzeln. Seine bevorzugten Pflanzengattungen und -arten sind:

Eiben, Alpenrosen, Azaleen, Weinreben, Wilder Wein, Efeu, Kirschlorbeer,

Rosen, Heide, Mispeln, Lebensbäumen, Erdbeeren, Himbeeren, Chrysanthemen,

Fuchsien, Geranien, Primeln, Alpenveilchen, Sauerklee, Löwenzahn und Wegerich.

 

Luzerne, Rotklee und der Erbsenstrauch (Caragana) z.B. werden jedoch gemieden.

 

Besonders gute Entwicklungsbedingungen finden die Tiere in Kulturgefäßen,

Gewächshäusern, Wintergärten und Balkonkästen.

Die Käfer finden hier meist optimale Entwicklungsbedingungen, hinsichtlich

Temperatur und Feuchtigkeit.

 

Schadbild, Feinde und Bekämpfung

 

Zunächst verursacht der Fraß der Larven an den Wurzeln nur eine Schwächung

der Pflanze. Oft bemerkt man den Befall jedoch erst, wenn die ganze Pflanze welkt

oder gar abgestorben ist.

 

Natürliche Feinde

 

Zu den natürlichen Feinden zählen Saatkrähen und andere Vogelarten (auch

freilaufende Hühner), Igel, Spitzmäuse, Maulwürfe, Eidechsen und Kröten

sowie einige Laufkäferarten und der Gemeine Ohrwurm.

Einige Mikroorganismen im Boden gehören ebenfalls zu den natürlichen Feinden.

Im Bodensubstrat gibt es Pilzarten (z. B. Metarhizium anisopliae &

Bacillus cereus) und Nematoden (z. B. Heterorhabditis sp. und Steinernema sp.)

 

Bekämpfung

 

Allgemein sollte schon beim Erwerb der Pflanzen auf Befallsfreiheit geachtet

werden. (siehe Fraßbilder) Die Käfer sind mit Insektiziden kaum zu bekämpfen.

Möglich ist das morgentliche Absammeln der Käfer aus künstlich geschaffenen

Schlupfwinkeln,  wie z.B. Holzbrettchen und Tontöpfe.

 

Auch ein nächtliches Abklopfen der befallenen Pflanzen ist möglich.

Zunehmend werden Nematoden zur Bekämpfung in Gärtnereien und Gewächs-

häusern eingesetzt.

 

Weiterführende Literatur

 

Freude, Harde, Lohse: (1981) Die Käfer Mitteleuropas : Band 10 & 11: Curculionidae II.

Dieckmann, L.: (1980) Beiträge zur Insektenfauna der DDR, Coleoptera-Curculionidae, Beitr.-Ent. 30, 145-300

Reitter Edmund: (1908 - 1916) Fauna Germanica - Die Käfer des Deutschen Reiches

Fortmann, M.: (1993) Das grosse Kosmosbuch der Nützlinge. Neue Wege der biologischen Schädlingsbekämpfung

Zahradnik Jiři, Irmgard Jung, Dieter Jung et al.: (1985) Käfer Mittel- und Nordwesteuropas, ISBN 3-490-27118-1

Hůrka Karel: (2005) Käfer der Tschechischen und Slowakischen Republik 1. Aufl. Kabourek ISBN 80-86447-04-9

 

Foto:

www.entogema.de/fotos-videos/fotos-käfer

 

 

 

 

  1. Sonstiges

 

Dr. Hans Pellmann informierte über den Termin zur 13. European Moth Nights vom 02.-06.2016. Initiator ist die Entomologische Gesellschaft Luzern. Ungeklärt ist die Frage einer angemessenen Würdigung, wenn in diesem Zusammenhang faunistische Daten zur freien Verfügung bereitgestellt werden. In anderen Forschungsgebieten ist es schon lange üblich, die Bedingungen für die Bereitstellung von Daten klar vertraglich zu regeln. Warum soll dies nicht auch für faunistische Daten gelten?

Er informierte auch über das Bekämpfungsregim zur Ausrottung des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) im Norden Magdeburgs: Nach Feststellung eines befallenen Baums, wird dieser gefällt sowie alle potentiellen Wirtsbäume im Radius von 100 m um den Befallsbaum (= Fällzone). Sämtlicher dabei anfallender Baumschnitt ist so zu entsorgen, dass alle Stadien des ALB sicher beseitigt werden. Intensive Kontrollen (mindestens 3x pro Jahr) der Gehölze auf Neubefall erfolgen in der Risikozone (Radius 500 m). Zur Quarantänezone zählt schließlich das gesamte Gebiet im Radius von 2 km um den Befallsherd. Hier gelten zusätzlich Festlegungen, die die Verschleppung des ALP mit Baumschnitt oder lebenden Gehölze in ein bisher ALB freies Gebiet verhindern sollen. Zulässig sind nur Neupflanzungen von ALB-resistenten Arten. Grundlage für sämtliche Maßnahmen in Sachsen-Anhalt ist die Allgemeinverfügung der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau vom 12.01.2016.

Aktuell fehlen Methoden zur selektiven Bekämpfung des ALB. Gearbeitet wird an der Verbesserung des Aufspürens von befallenen Gehölzen (Hubsteiger, Baumkletterer, Pheromonfallen, Spürhunde – Überwachungsbereich bis 3-6 m Höhe, Ausbringung getopfter Fangbäume etc.). Auf Nachfrage von Dr. Doberitz sind die ergriffenen Bekämpfungsmaßnahmen weltweit derzeit Stand der Wissenschaft jedoch mit unterschiedlichem Erfolg. Im asiatischen Herkunftsgebiet wurde der ALB erst seit den 1980 Jahren in China zum Schädling in großflächig angelegten Windschutzgürtel bzw. Baumplantagen an Ahorn, Pappeln, darunter z.T. nicht einheimische Arten. Erst danach tritt der ALB auch außerhalb seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes in Erscheinung.

 

Holger Breitbarth sprach die entstandenen Probleme bei der Gestaltung und Weiterführung der Homepage der EGM an. Das Führen der Homepage mittels Verlinkung über die Homepage der Entomologen Vereinigung Sachsen-Anhalts (EVSA) ist ein interessantes Angebot. Vor einer Entscheidung müssen jedoch Fragen wie redaktionelle Verantwortlichkeiten, Mitgliedschaften der EGM-Mitglieder in der EVSA u.a. unbedingt geklärt werden. Deshalb wird er sich mit Andreas Schöne von der EVSA zu diesen Fragen verständigen und einen praktikablen Lösungsvorschlag zur Diskussion und Verabschiedung zur Juni-Zusammenkunft vorbereiten.

 

aktuelle bemerkenswerter Beobachtungen

Dr. Doberitz:

  • Berberitzenspanner (Rheumaptera cervinalis), Männchen, 29.04.2016, Garten in Magdeburg-Reform, Beobachtung am Licht,
  • Kleiner Hopfenspinner (Hepialus lupulinus), 2 Weibchen - 05.05.2016, eine männlichen Puppe - 08.05.2016, Garten in Magdeburg-Reform.
  • seltene Kätzcheneule (Orthosia opima), 06.04.2016, Magdeburg-Zentrum, Leiterstrasse 2A, Beleg wurde vorgelegt,
  • Belegt für naturrealistische Schmetterlingspräparation: frischgeschlüpfte, aber nicht vollständig entwickelte Imago einer Hausmutter (Noctua pronuba).

Otto Elias:

  • Sichelflügler (Drepana harpagula), 5 Männchen, 09. und 10.05.2016, Colbitzer Lindenwald.

 

 

Die nächste planmäßige Zusammenkunft findet am 21. Juni letztmalig an gewohnter Stelle statt, da das Objekt verkauft wurde und eine Nutzungsänderung zu erwarten ist.

Neben der Frage zur zukünftigen Handhabung unserer Homepage werden wir uns deshalb über einen neuen Treffpunkt für unsere Zusammenkünfte verständigen müssen.

 

Magdeburg, den 18.05.2016

 

Otto Elias

 

 

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