EGM - Entomologische Gesellschaft Magdeburg seit 1920
EGM - Entomologische Gesellschaft Magdeburgseit 1920

Oktober 2010

   Bericht zum Treffen der

   Entomologischen Gesellschaft Magdeburg (EGM)

   am Museum für Naturkunde Magdeburg

 

 

Datum :           19.10.2010

Ort :                Tammi´s Bauernstübchen, Zerrennerstraße 33,

                       39110 Magdeburg, Tel.: 731 0116

Thema :          Die unbekannte Welt der Wanzen

Referent :       Peter Göricke

Teilnehmer :   Breitbarth, Holger

                       Doberitz, Dr. Gerhard

                       Elias, Otto

                       Göricke, Peter

                       Knobbe, Hans-Joachim

                          Matthies, Dr. Henry (nicht)

                       Pellmann, Dr. Hans                      

  Preydel, Heiko

 

 

  1. Peter Göricke : Die unbekannte Welt der Wanzen

 

Peter Göricke bat um Zustimmung zum vorliegenden Themenwechsel. Das ursprünglich vorgesehene Thema „Spezifische Resultate zur Wanzenfauna des Huy – Zwischenbericht“ wäre wegen der noch unvollständigen Materialauswertung verfrüht und sollte auf einen Termin im neuen Jahr vertagt werden. Dem wurde zugestimmt. Er hielt stattdessen den o.a. Vortrag, mit dem er erst kürzlich trotz des zweideutigen Titels vor dem Künstlerverein Magdeburg auf große Resonanz stieß.

 

Er begann dann auch den Vortrag mit der Zusicherung, keine technischen, sondern biologische Fragen zu behandeln. Es ginge nicht um „lauschende Technik“, sondern einzig um stechende, saugende und oft auch übel riechende oder gar schmeckende Krabbeltiere in unserer Umgebung.

 

Angelegt als Vortrag für Nicht-Entomologen spannte er in unserem Kreis nur kurz den Bogen von den Großgruppen des Tierreiches, über deren evolutionäre Entwicklung bis hin zur jetzigen Stellung der Gruppe der Wanzen. Sehr anschaulich war der 2/3 große Anteil der Insekten im Tierreich am Schaubild nach Sedlag nachzuvollziehen, wobei allein die Schnabelkerfe, Hemiptera, die Gruppe der Verwandten der Wanzen, zahlenmäßig stärker vertreten sind als die der Wirbeltiere.

 

Es wurde die Gruppe der Schnabelkerfe erläutert mit den Untergliederungen:

  1. Unterordnung Gleichflügler (Homoptera)

mit    1. Zikaden (Auchenorrhyncha)

und    2. Pflanzenläuse (Stemorrhyncha)

  1. Unterordnung Ungleichflügler, Wanzen (Heteroptera.

 

Wanzen zeichnen sich durch geteilte Vorderflügel (je hälftig sklerotisiert bzw. mebranös) und stechend-saugende Mundwerkzeugen aus, die neben dem mit mehreren Kanälen versehenen Stechrüssel einen großen Kanal zur Aufnahme der verflüssigten Nahrung besitzen.

 

Der Biologie und dabei speziell der Fortpflanzung der Wanzen nahm sich Peter Göricke dann wieder wie bereits im Künstlerverein etwas intensiver an. Damit traf er (offensichtlich dort vor allem beim weiblichen Publikum) auf ungeteiltes Interesse und rege Nachfragen, die es dann auch in unserem Kreis verstärkt gab. Die an Hand von Graphiken dargestellten und erläuterten möglichen Positionen des Kopulierens der Wanzen nach Huber, Roth bzw. Jordan,  jeweils als das Kamasutra der Wanzen präsentiert, war ohne nähere Erläuterungen u.a. zur Symmetrie und Asymmetrie, des „Eindrehens“ usw. bei den verschiedenen Kopulavarianten nicht sofort aus technischer Sicht für die Zuhörer nachvollziehbar.

 

Speziell wurden die Lebensgewohnheiten, Versteckmöglichkeiten, Indizien des Vorkommens in der menschlichen Behausung usw. der Bettwanze Cimex lectularius, Linnaeus, (1758), erläutert. Neben diesen uns wieder zunehmend beschäftigenden Aspekten der Bettwanze auf Grund ihres erneut verstärkten Auftretens ist deren Sexualpraktik hinsichtlich des „Aufreißens eines Weibchens“ geradezu sprichwörtlich, da hier genau dieses mit einem speziellen, spitzen Dorn des männlichen Genitals real praktiziert wird. 

 

 

Im Folgenden wurden exemplarisch Wanzenarten spezieller Lebensräume bildlich vorgestellt und erläutert. Dieses betraf Wanzen im Wasser, im Boden, in der Krautschicht und in der Baum- und Strauchschicht. Als auffällige Schutz- und Abwehrmerkmale vor Fressfeinden wurden unterschiedliche Mimikryausbildungen verschiedener Wanzen präsentiert.

 

Als besondere, beachtenswerte Leistungen einzelner Wanzenarten wurden vorgestellt :

  • Das Überleben auf hoher See, hunderte Kilometer von allen Ufern entfernt,
  • das Überleben am Gewässergrund der Grundwanze mit Plastronatmung, einer Art der Diffusionsatmung und
  • die Brutfürsorge  mit aktiver Brutverteidigung bei Elasmucha grisea (Linnaeus,1758).

 

Mitgebrachte Präparate dokumentierten Besonderheiten zu Ausbreitung und Vorkommen :

  • Orsillus depressus (Dallas, 1852) : Erstfund in Zichtau und damit neu in ST und Ostdeutschland
  • Arocatus longiceps (Stal, 1872) : An Platanen, Imagines im Winter unter den Schuppen feststellbar, als z.Z. nördlichste Verbreitungsgrenze bei Gardelegen (Göricke) und 2010 in Stendal (Strobl)
  • Corythucha ciliata (Say, 1832) : Gitterwanze aus Baden-Baden, nun auch in SA
  • Deraeocoris flavilinea (A.Costa, 1862) :Weichwanze, zoophag auf Eiche und Weißdorn, seit 2008 überall in ST.

 

Das abschließende statement des Referenten:“ Klimawandel ist weiter als viele denken“ , das u.a. auf vom Vorhandensein von ca. 1.300 gebietsfremder Arten (Neozoen), sogenannte „Aliens“ der Insekten,  in Europa abgeleitet und dem Meinungsumschwung vieler Wissenschaftler in den letzten Jahren zum vermeintlichen Klimawandel begründet wurde, löste dann doch noch eine Debatte zur Definition „Klima“ und dem finanziellen Hintergrund der vielfältigen und differierenden Wetterstudien aus.

 

Die anwesenden Mitglieder bedankten sich beim Referenten über einen sehr interessanten und gelungenen Vortrag, der durch eine sehenswerte Power-Point Präsentation wertvoll bereichert wurde.

 

  1. Organisatorisches und Sonstiges

 

Schulung zur Einführung des Programmes InsektIS

Es wurde besprochen, die Aktivitäten zur Referentengewinnung, die 2009/2010 wetterbedingt unterbrochen wurden, erneut aufzunehmen. Schulungsort bleibt das Angebot von Holger Breitbarth, der mögliche Terminvorschläge unterbreitet, die dann Grundlage für die erforderliche Anfrage bei Herrn Gerald Seiger darstellen wird. Geplant ist, den Zeitraum November bis einschließlich Januar zu nutzen.

 

Weihnachtsfeier 2010

Auf Grund der ungewollten Terminüberlagerung von Weihnachtsfeier und Mitglieder-Geburtstag wurde vereinbart und mit der Gaststätte abgestimmt, den Dezember-Termin 2010 für unsere Zusammenkunft um eine Woche vorzuverlegen. Der Dezember-Termin ist damit der 14.12.2010 ! Ich bitte freundlich um Beachtung und Vermerk. Einzelheiten zur Ausgestaltung dieser Zusammenkunft werden im November besprochen

 

Entomologisches

Dr. Gerhard Doberitz berichtete vom Fund einer Raupe des Labkrautschwärmers (Hyles gallii) am 07.10.  auf dem Elberadweg nördlich des Herrenkruges, die trotz leichter Verletzung vital aussah und zur Verpuppung eingetragen wurde. Am gleichen Ort und Zeitpunkt wurde noch ein fliegender Postilion (Colias croceus) beobachtet.

Er brachte außerdem zur Zusammenkunft als Anschauungsmaterial in natürlicher Haltung präparierte Insekten : Pappelkarmin (Catocala elocata), Admiral (Pyrameis atalanta) und eine Holzwespe (Xylocopa violacea) mit. Diese Präparate sind für Ausstellungsgestaltung im Naturkundemuseum Magdeburg vorgesehen.

 

In diesem Zusammenhang bat Dr. Hans Pellmann die Mitglieder, im Frühjahr 2011 auf Exemplare des Lindenschwärmers (Mimas tiliae) zu achten und etwa 5  bis 6 präparierte Exemplare für Ausstellungszwecke im Museum bereit zu stellen.

 

Otto Elias berichtete vom Fang von 2 Lithophane furcifera in der häuslichen Lichtfalle in Magdeburg/NW am 16.10. Als überwinternder Falter zwar nicht ungewöhnlich, für das Stadtgebiet Magdeburg war der Fang zumindest persönlicher Neufund.

 

Die nächste Zusammenkunft findet wie geplant am 16.November 2010 statt.

 

Magdeburg, den 20.10.2010

Otto Elias

 

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© Holger Breitbarth